Bürger helfen Bürgern

- Initiativen der Stadträte der AfD-Fraktion
Dr. Raphael Benner, Franziska Gminder MdB,
Dirk Schwientek, Michael Seher
und Alfred Dagenbach

abgesandt  am 
17.8.2020

Ihr Anliegen mitteilen

An den Oberbürgermeister der Stadt Heilbronn

 

 

* 20.086 Werkrealschulen

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

 

32 Lehrkräfte der Albrecht-Dürer-Schule in Neckargartach wenden sich in einem mit 29.7.2020 datierten Schreiben, das am 17.8.2020 per Gemeinderatspost hier eingegangen ist, an das Staatliche Schulamt, Frau BM Christner, Frau Schüttler, Herrn Weimar  und die Mitglieder des Gemeinderates wegen der Frage - wörtlich - "Wie geht es mit dem Standort der Werkrealschule bei uns in Neckargartach weiter?"

Man sei der Meinung, "dass diese besondere Zeit gezeigt hat, wie wichtig es ist, mehrere
Werkrealschulstandorte in Heilbronn zu erhalten. Unsere Kolleginnen vor Ort kennen die Familien und die Lebensumstände unserer Schüler am besten und konnten dadurch einen engen Kontakt zu den Familien pflegen. Keine Kinder wurden abgehängt oder nicht erreicht, wie es häufig in den Medien besorgt angemahnt wurde. Diese Einbindung gelingt hervorragend in kleinen, überschaubaren Einheiten. Unsere gebundene Ganztagesschule im Sekundarbereich hat das ermöglicht."

Weiter heißt es: "Für uns ist die angedachte Schließung eines funktionierenden Werkrealschulstandorts, der im Stadtteil verwurzelt und vernetzt ist und wertvolle pädagogische Arbeit leistet nicht nachvollziehbar. Außerdem ist zu beachten, dass ein erfahrenes Kollegium, das sich mit
den örtlichen Gegebenheiten und Unterstützungssystemen bestens auskennt, auseinander gerissen und in alle Winde zerstreut würde. Das wäre eine Verschwendung von enormen pädagogischen Ressourcen."

Den Unterzeichner dränge sich der Eindruck auf, dass es wieder einmal so zu sein scheint, dass eben die Schüler, über die man sich fürsorglich als "abgehängte Schüler" in der Corona-Krise so große Sorgen gemacht hat, zu den Verlierern der kommunalen Bildungspolitik werden.
Da könnte noch so sehr auf das "Abstimrnungsverhalten der Eltern mit den Füßen" hingewiesen werden und Zahlen zum einzig bestimmenden Faktor guter Pädagogik erhoben werden.

Nach Meinung der Lehrerschaft wäre die Stärkung der dezentralen Werkrealschulstandorte eine visionäre Bildungspolitik, die den Mut hat, sich an den pädagogischen und gesellschaftlich sinnvollen Sachverhalten zu orientieren. Man sei dabei an Nachhaltigkeit interessiert, weil Schulen Verlässlichkeit und Kontinuität brauchen, um vernünftig arbeiten zu können. Der letzte Schulentwicklungsplan hätte keine fünf Jahre Bestand gehabt

"Große Schulstandorte mit vielen Schülern sind zwar aus finanzieller und organisatorischer Sicht wünschenswert, sie vertragen sich aber nicht mit Schülern, die es eh schon schwer haben im Leben. Unsere Schüler brauchen klare, einfache Regeln, kleinere Lernschritte und ein praxisorientiertes Schulkonzept, das auf Erziehungsarbeit und die Förderung der Ausbildungsreife ausgerichtet ist und das in einem wohnortnahen Umfeld. Sie brauchen eine intensive, persönliche Betreuung, da sie von zu Hause oft wenig Unterstützung bekommen können. Dies ist im gewohnten Umfeld, wo die Lehrer einen stärkeren Einblick in die familiären Verhältnisse haben, besser zu leisten", heißt es weiter..

Durch die Entstehung größerer Standorte würden Brennpunkte geschaffen, deren sozialer
Sprengstoff jetzt noch gar nicht absehbar ist.

Wohin, unter anderem, solche Entscheidungen führen können, sei vor kurzem in Stuttgart und Frankfurt eindrücklich zu beobachten gewesen. Dass Heilbronn von solchen Ereignissen bisher verschont blieb, habe sicherlich mit der guten Integrationsarbeit der Stadt und eben insbesondere auch mit der Integrationsarbeit in den Schulen zu tun.

Das Kollegium betont: "Hier leisten die Werkrealschulen an ihren Standorten wertvolle Arbeit. In den Vorbereitungsklassen werden seit Jahren Kinder mit den unterschiedlichsten kulturellen und sprachlichen Hintergründen durch engagierte Kollegen qualifiziert auf ihre Schullaufbahn in unserem Schulsystem vorbereitet, um es ihnen zu ermöglichen ein Teil unserer Gesellschaft zu werden. Auch bei diesen Kindern, die zum Teil schwer traumatisiert sind, spielt die räumliche Nähe zu ihrem Wohnort eine wichtige Rolle"

Die Unterstützer und das Kollegium der Albrecht Dürer Schule bitten aus den genannten Gründen um den Fortbestand des Werkrealschulstandortes in Neckargartach.

Dazu wird um Beantwortung folgender Fragen gebeten:


1. Welche Stellungnahme gibt die Stadtverwaltung dazu ab;

2. wie geht es mit dem Standort der Werkrealschule in Neckargartach weiter;

3.1 weshalb soll binnen 5 Jahren ein neuer Schulentwicklungsplan umgesetzt werden;

3.2 hatte dieser welche Defizite und wer hatte diesen damals vorgelegt;

4. ist Ziel der Maßnahmen, die Bildung auf das Niveau der ideologisch gewollten Gesamtschulen [Anm.: Schreibfehler, gemeint sind Gemeinschaftsschulen] herunter zu nivellieren;

5. welche der genannten Erfahrungen gibt es in Stuttgart und Frankfurt und wie werden ähnliche durch eine solche Schulpolitik gemachten Fehler in Heilbronn vermieden;

6. sind Lehrkräfte an unseren Schulen beliebig verschiebbares "lebendes Inventar";

7. in welcher Weise wird für Vermeidung der im Schreiben angesprochenen Probleme gesorgt werden?

 

Im Rahmen einer nachhaltigen und sparsamen Haushaltsführung und einer umweltfreundlichen Reduzierung des Papierverbrauchs bitten wir um Abhilfe, Stellungnahme und Rückantwort per zeit- und kostensparenden einfachem eMail. 

Vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen

Alfred Dagenbach
Stadtrat - AfD-Fraktion
dagenbach@t-online.de

Tel.: 07131-920500

Unterzeichner:
Dr. Raphael Benner | Franziska Gminder MdB | Dirk Schwientek | Michael Seher | Alfred Dagenbach

Antworten der Verwaltung

Eingang am 1.9.2020

Eingang nach 13  Tagen

Antwort mußte gescannt werden, weil nicht zeit- und kostenbelastend nicht mit per erbetenen einfachemeMail geantwortet wurde. Es kann daher auch fehlerbehaftet sein    könnte besser sein

<*> gerne beantworten wir Ihre Anfrage vom 17.08.2020 wie folgt:

1. Welche Stellungnahme gibt die Stadtverwaltung dazu ab?

Die Verwaltung hat dazu bereits am 04.08.2020 eine Stellungnahme abgegeben. Diese liegt Ihnen und allen anderen Mitgliedern des Bildungsbeirats und des Gemeinderats vor.

2. Wie geht es mit dem Standort der Werkrealschule in Neckargartach weiter?

Der Gemeinderat wird hierzu am 24.09.2020 (siehe DS 161/2020) entscheiden. Die Beschlussvorlage enthält dazu einen Vorschlag.

3.1 Weshalb soll binnen 5 Jahren ein neuer Schulentwicklungsplan umgesetzt werden?

Die Schulentwicklungsplanung ist ein andauernder Prozess, bei dem eine Periode von 5 Jahren ein
üblicher Zeitlauf ist, um auf festgestellte bzw. zu erwartende Entwicklungen die notwendigen
Anpassungen vorzunehmen.

3.2 Hatte dieser welche Defizite und wer hatte diesen damals vorgelegt?

Die Verwaltung hat im Jahr 2015 mit der Drucksache 78 einen Vorschlag für die
Schulentwicklungsplanung der Stadt Heilbronn vorgelegt. Diese erfolgte auf der Grundlage einer
Datenauswertung durch das Büro biregio, für den Zeitraum von ca. fünf Jahren - 2014/15 bis 2020/21.
Der Gemeinderat hat hierüber in gemeinsamer Sitzung mit dem Jugendgemeinderat am 12.05.2015
mit großer Mehrheit entschieden. Die Vorschläge bzw. Beschlüsse zur Schulentwicklung wurden
bedarfsgerecht und auf der Grundlage der Daten und Fakten aus den Jahren 2014/2015 gefasst und
sind zwischenzeitlich fast vollständig umgesetzt. Der Verwaltung erschließt sich nicht, weshalb von
"Defiziten" gesprochen wird. Ein Prozess zur Fortschreibung ist ein übliches Vorgehen.

4. Ist Ziel der Maßnahmen, die Bildung auf das Niveau der ideologisch gewallten Gesamtschulen [Anm.: Schreibfehler, gemeint sind Gemeinschaftsschulen] herunter zu nivellieren?

Im Stadtgebiet von Heilbronn besteht keine Gesamtschule. Falls die Schulform der
Gemeinschaftsschule gemeint ist, verweisen wir auf die Aussage, dass derzeit kein ergänzender Bedarf über die beiden bestehenden Gemeinschaftsschulen im Stadtgebiet hinaus gesehen wird.

5. Welche der genannten Erfahrungen gibt es in Stuttgart und Frankfurt und wie werden ähnliche
durch eine solche Schulpolitik gemachten Fehler in Heilbronn vermieden?

Geschehnisse in anderen Städten ursächlich auf deren Schulpolitik zurückzuführen und daraus eigene Handlungsweisen abzuleiten, entspricht nicht der Haltung der Stadtverwaltung Heilbronn -siehe auch Stellungnahme vom 04.08.2020 [Anm,: Heilbronner Weg ]).

6. Sind Lehrkräfte an unseren Schulen beliebig verschiebbares "lebendes Inventar"?

Als Landesbeamte werden die Lehrkräfte durch das Staatliche Schulamt Heilbronn vertreten, welches bei allen Schulentwicklungsprozessen beteiligt wird - so auch im laufenden Prozess zur
Fortschreibung. Die Stadt als Schulträgerin hingegen hat die vorrangige Aufgabe, allen Schülerinnen
und Schülern in zumutbarer Entfernung von ihrem Wohnort einen Bildungsabschluss entsprechend
ihren Begabungen und Fähigkeiten zu ermöglichen und gleichzeitig leistungsstarke und effiziente
Schulstandorte zu sichern.

7. In welcher Weise wird für Vermeidung der im Schreiben angesprochenen Probleme gesorgt werden?

Mit der Stellungnahme vom 04.08.2020 betrachten wir das Schreiben als hinreichend beantwortet.

Bitte achten Sie auf sich und bleiben Sie gesund. gt:

 

Freundliche Grüße

Harry Mergel

Oberbürgermeister


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